Die dritten 2x 11 Jahre (1996-2017)

Geschichte der KG Rote Funken Neunkirchen e.V.

 

Nachdem man das 4×11 Jährige Jubiläum in der Vorsaison kräftig gefeiert hatte, starteten die Funken nun in der Session 1996 mit dem Motto Neinkerjer Krembel durch. Es war als hätte das Jubiläum wieder neue Kräfte und Motivation im Verein freigesetzt. Durch die Sparten hindurch war der Wille gewachsen, das Niveau der Sitzungen weiter hoch zu halten. Rudolf Eiden startete sogar noch einmal den Versuch, den Fanfarenzug neu zu gründen, musste dieses Vorhaben aber kurz danach wieder aufgeben. Jedoch nicht für lange, doch dazu später mehr.
In den folgenden Jahren begeisterten die Roten Funken ihr Publikum weiterhin mit fantastischen Bühnenbildern. Jürgen Wagner erschuf hier zu den Motti „Närrische Disney Parade“, „Zirkus Funken“ oder „Freibeuter der Narretei“ perfekt abgestimmte Dekorationen, die vor Detailreichtum nur so strotzten. Wie es bei den Funken immer schon Tradition war, bildeten die Büttenredner ein starkes Rückgrat, auch wenn durch die vermehrt aufkommenden Fernsehübertragungen von Kappensitzungen aus Köln und anderen Städten das Publikum immer mehr verwöhnt wurde. Auch die Comedy-Welle der privaten Fernsehsender tat ihr übriges. Dennoch gelang es den Rednern der Funken, mit individuellen Akzenten und persönlichen Noten, ihr Publikum weiterhin für sich zu gewinnen und zu fesseln. Friedhelm Blügel sei hier an erster Stelle genannt, der nicht nur in den Funken Sitzungen sondern auch in den Sitzungen des NKA der Schlussredner war, und der es wie kein anderer verstand, zu nächtlicher Stunde die Narren noch einmal zu Lachslaven und Freudentränen zu bringen. Michael Schley begann das schwere Erbe der politischen Rede von Hans-Georg Weis. Nachdem er am Anfang noch in der Person des „Stumm Karl“ auftrat, gelang es ihm später mit seiner Rolle des „Stadtschreibers“, einen eigenen Stil zu finden und damit zur festen Größe in der politischen Bütt der Stadt Neunkirchen zu werden. Peter Meiser hatte das Talent seines Vaters Karl-Josef geerbt und trat in dessen Fußstapfen. Er gewann schnell einen großen Fankreis. Kein anderer Redner der jüngeren Funkengeschichte aber verkörperte die „klassische“ Büttenrede so sehr wie Peter Eiden. Bis heute steht er wie ein Fels in der Bütt, setzt Akzente nur mit wenigen Bewegungen und einer minimalistischen Mimik. Mit seinem unverwechselbaren Stil feiert er große Erfolge.
Hans-Jürgen „Josh“ Sieren war und ist der Tausendsassa der Funken Bühne. Über viele Jahre trat er in den bemerkenswertesten Rollen auf, unter anderem z.B. als Weihnachtsfrau, eine Rolle in der er ein Zwiegespräch mit sich selbst hielt. Ein karnevalistisches Denkmal setzte er sich aber in diesen Jahren zusammen mit seinem Partner Günter Tannrath. Die beiden rockten als „Blies-Brieder“ die Bühnen der Roten Funken, des NKA und viele weitere. In dieser Form hatte man so etwas noch nicht erlebt und sollte es auch nie wieder auf Neunkirchens Bühnen erleben: Eine Mischung aus närrischem Zwiegespräch, Gesang und allerhand Unsinn brachte die Säle zum Kochen.
Mit der Figur des „Lulatsch Lang“ hat Alexander Müller-Benz einen eigenen Büttencharakter geschaffen, der schnell Bekanntheit bei den Sitzungen der Funken und des NKA erlangte. Grundsätzlich ohne Bütt, bewegt er sich während seines Vortrages unablässig frei auf der Bühne auf und ab, reagiert auf kleinste Regungen im Publikum und bindet sie in seine Rede mit ein. Eigenschaften, die zu seinen Markenzeichen geworden sind.
Wie auch schon viele Büttenredner vor ihm kommt auch Ralf Ramm aus der eigenen Nachwuchsschmiede der Roten Funken. Und auch er tat es seinen Vorgängern gleich, entwickelte einen eigenen Stil und wurde über die Jahre zu einem Großen auf der Bühne der Funken.
Darüber hinaus traten viele weitere Rednerinnen und Redner in der Funken Bütt auf. Lisa Regitz. Hans Joachim Mohr, Michael Licata, Gisela Schröder, Ute Müller, Daniel Müller und Daniel Winzent seien hier genannt.
Eine besondere Tradition bei den Roten Funken hatte seit jeher die Doppelrede. Paarungen wie Friedhelm Blügel und Hans-Georg Weis, „Gustav un Aule“ (Hans-Jürgen Sieren / Peter Eiden), „Dippe und Labbes“ (Peter Eiden / Alexander Müller-Benz) sowie „Lulatsch Lang und Lulatschine (Alexander Müller-Benz / Melanie Benz) führten die Tradition ihrer großen Vorgänger mit Bravour fort. Jedes Pärchen auf seine eigene, aber immer komische Art und Weise.
Eine schöne Anekdote, die hier nicht unerwähnt bleiben darf, war das nächtliche Heringsessen bei Ursel und Kurt Weber nach der zweiten Kappensitzung. Diejenigen Aktiven, die also bis früh morgens in der Sektbar ausgehalten hatten, machten sich im Morgengrauen auf den Weg zur Scheib, wo man im Wohnzimmer der Familie Weber zusammen Hering aß. Manchem Narren fielen hier vor Erschöpfung auf dem Weberschen Sofa die Augen zu…
Im Jahr 1999 erlebte der Verein dann einen großen Einschnitt. Karl-Josef Meiser gab das Amt des Elferratspräsidenten nach mehr als 25 Jahren ab und wurde nach Josef Jochem der zweite Ehrenpräsident der Roten Funken. Bis zu diesem Jahr hatten in der Geschichte des Vereins also nur zwei Elferratspräsidenten (Josef Jochem und Karl-Josef Meiser) die Verantwortung für die Programmgestaltung getragen. Peter Meiser folgte seinem Vater bis 2001 als Elferratspräsident nach, bevor dann Hans-Jürgen „Josh“ Sieren dieses Amt übernahm.
Die Krise des Vereins, die sich zu diesem Zeitpunkt bereits andeutete, war ein Zusammenspiel vieler Faktoren, vor allem aber die Konsequenz eines Generationswechsels, der gerade in vollem Gange war. So hatten mit dem Rückzug von Karl-Josef Meiser auch die Büttenasse Hans-Georg Weis und Friedhelm Blügel ihre närrischen Karrieren beendet, die Thekensteher hatten nach mehr als 25 Jahren ihr letztes Lied gesungen und viele helfende Hände verabschiedeten sich in den närrischen Ruhestand. Bedingt durch sein Amt als Elferratspräsident trat Hans-Jürgen „Josh“ Sieren selbst nicht mehr im Programm auf. Neue Ideen fanden nur schwer Gehör, die Anzahl der Veranstaltungen, die man außerhalb der Faasenacht durchführte, und die für ein Vereinsleben von hoher Bedeutung sind, gingen zurück. Zunehmend wurde es auch schwierig, geeigneten Nachwuchs für die verschiedenen Sparten des Vereins zu finden. So zählte z.B. in diesen Jahren die einst stolze, große Aktivengarde gerade noch 7 Mitglieder.
Die Konsequenz war ein zunehmender Zuschauerschwund, der schließlich dazu führte, dass man die zweite Kappensitzung aufgeben musste. Finanzielle Misswirtschaft brachte den Verein dann an den Rand der Zahlungsunfähigkeit.
So ging man im Jahre 2006 mit großer Ungewissheit in ein 5×11 jähriges Jubiläum. Aber das närrische Schicksal sollte wieder eine glückliche Wende nehmen. Alexander Müller-Benz, Prinz während des Jubiläums, wurde nach der Session zum neuen Vorsitzenden und Nachfolger von Peter Wirges gewählt. Mit einem neu formierten Vorstand startete er etliche Reformen, um den Verein in eine bessere Zukunft zu führen.
Schnell begann man damit, seit Jahren eingefahrene Abläufe neu zu organisieren. So wurde mit der Gründung eines Programmausschusses die Entscheidungsgewalt in Fragen der Programmgestaltung auf mehrere Schultern verteilt. Mit dem Amt des Pressewartes wurde eine neue Vorstandsposition geschaffen um die Öffentlichkeitsarbeit professionell zu gestalten. Zur neuen Session beschloss man sich von der Mottofaasenacht vergangener Tage zu verabschieden um in Zukunft beim Hintergrund mit einem einheitlichen Bühnenbild effizienter arbeiten zu können. Mit „Heijo, heijo, heijo, es war alles schon mol do“, wie es in der Session 2006/2007 hieß, machte man diesen Abschied auch dem Publikum deutlich. In dieser Session wagte man auch mit einer neuen Veranstaltung am Fastnachtssamstag einen innovativen Weg. Hatte es in den 60iger und 70iger Jahren einen Funkenball gegeben, der in der Neunkircher Faasenacht eine Institution war, knüpfte man mit der Funken-Fastnachtsparty an diese Tradition an. Der Versuch wurde ein voller Erfolg und diese Veranstaltung ist seitdem fester Bestandteil der Funkenfaasenacht.
Es wehte ein frischer Aufbruchsgeist im gesamten Verein, der schnell alle Sparten erfasste. Rudolf Eiden schließlich gelang etwas, was man in den kühnsten Träumen nicht mehr für möglich gehalten hätte: die Neugründung des Fanfarenzuges der Roten Funken. Und so eröffnete 13 Jahre, nachdem er sich aufgelöst hatte, wieder ein eigener Fanfarenzug die Kappensitzung der Roten Funken. Doch damit nicht genug. Dem Publikum blieb im wahrsten Sinne des Wortes der Mund offen stehen, als zu dem von Ernst Wilding in den 60iger Jahren komponierten Funkenmarsch „Wir sind Rote Funken“ ein Korps Funkengardisten mit Blitzgewehren und roten Tschakos in den Saal marschierte. Hans Jürgen „Josh“ Sieren und Bettina Ramm war es zu verdanken, dass diese Truppe, die in den Gründungsjahren der Roten Funken ja die „Urgruppierung“ überhaupt war, nach mehr als 40 Jahren wieder auferstanden waren.
2007 wurde das Amt des Vorsitzenden in Präsident umbenannt, das des Elferratspräsidenten in Sitzungspräsident. Hans-Jürgen „Josh“ Sieren übergab das Amt des Sitzungspräsidenten an Michael Schley, um sich wieder ganz als Akteur im Programm widmen zu können.
2008 ereilte die Roten Funken dann ein echter Schock, denn der Vermieter ihres bisherigen Funkenheims im Langenstrich kündigte ihnen wegen Eigenbedarf. Nach fast 30 Jahren musste man sich eine neue Bleibe suchen. Was zuerst wie eine Katstrophe aussah, erwies sich im Nachhinein als echter Glücksfall und wegweisendes Ereignis. Wieder eine närrische Schicksalswende. Beim Sonntagspaziergang liefen Präsident Alexander Müller-Benz und seine Frau an der leerstehenden „Krämers Wirtschaft“ vorbei und nachdem die beiden sich die Räumlichkeiten angeschaut hatte, war schnell klar, welches Potential dort für den Verein schlummerte. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung stimmten die Mitglieder der Roten Funken für die Annahme des Mietvertrages, verpflichteten sich zu einer finanziellen Unterstützung des Vorhabens und entschieden sich damit einheitlich für ein neues, echtes Zuhause – ein einzigartiges Ereignis in der Geschichte des Vereins. Krämers Wirtschaft wurde zum neuen Funkenheim.
Eingeweiht wurde das neue Vereinsheim im Oktober 2008 mit allem Tamtam – die Ehrengäste waren zahlreich, das ganze närrische Volk Neunlirchens drängte sich in die ehemalige Wirtschaft, um das neue Funkenheim zu begutachten. Dr. Susanne Reichrath, Staatssekretärin des Kultusministeriums, Jürgen Fried, damals amtierender Bürgermeister der Stadt Neunkirchen und Funken-Präsident durchschnitten am 25. Oktober 2008 nach der Segnung von Pfarrer Michael Wilhelm feierlich das rote Band unter großem Applaus. Seit der Eröffnung wurden viele Feste gefeiert und die Besucher waren immer wieder beeindruckt und begeistert von der neuen Lokalität. Schnell entwickelte sich das Funkenheim zu einer echten Heimat aller Narren in Neunkirchen und ist heute beliebte Anlaufstelle nach dem Rosenmontagsumzug.
Neben den närrischen Veranstaltungen führte man mit dem Sommerfest und dem Oktoberfest weitere Veranstaltungen, auch außerhalb der närrischen Zeit ein, die zum Zusammenhalt des Vereins beitrugen. Die Roten Funken steigerten sich von Jahr zu Jahr. Waren früher noch die Büttenredner das prägende Element der Funkensitzungen, so veränderte sich dies langsam aber sicher. Natürlich hatten die Roten Funken weiterhin gute Redner, aber die Garden der Roten Funken entwickelten sich unter den Trainerinnen Birgit und Monya Histel, Christina Weil, Michaela Hinsberger, Michelle Alanis, Silke Müller, Ines May, Nina Görgen, Katja Kalinowski, Sabrina Seyler, Nicole Franz, Verena Wier, Laura Velten, Ronja Wagner und Nicole Schneider fantastisch. Dazu kamen Tanzpaar und Funkenmariechen, die beim Publikum Begeisterungsstürme entfachten. Auch nahm der musikalische Teil einen immer größeren Part in den Sitzungen ein. Sängerinnen wie Melanie Benz, Isabelle Sommer, Shayla Norried animierten das Publikum zum Mitmachen und zum Tanzen. Die von Sitzungspräsident Michael Schley initiierten Musikrunden mit modernen Partyliedern schufen eine Atmosphäre, in der auch das junge Publikum zum Feiern und ausgelassen sein mitgenommen wurde. Rote Funken Akteure wurden wieder zu einem festen und großen Bestandteil der NKA-Sitzungen.
Im Vorstand hatte man mit dem ausgewiesenen Finanzfachmann Jörg Ruf als Schatzmeister den richtigen Mann zur richtigen Zeit, um die vielen Erfolge, neuen Sponsoren und die zahlreichen Senatoren und Gönner, die der Verein neu gewinnen konnte, auch in finanzieller Hinsicht nutzen zu können. Als 2012 Alexander Müller-Benz das Amt des Präsidenten an diesen übergab, stand der Verein finanziell so gut dar wie noch nie in der Geschichte seines Bestehens.
Jörg Ruf und sein Vorstand knüpfen seither nahtlos an diese Erfolgsgeschichte an und führen den Verein weiter in dieser Philosophie. Auch den Umzug vom Bürgerhaus in die neue Gebläsehalle meisterte man bravourös.
Man kann daher zum 6×11 jährigen Jubiläum ohne Überheblichkeit, aber mit allem gebührenden Stolz sagen, dass die Roten Funken am Narrenhimmel heller glänzen den je.
Alle dies wäre natürlich nicht möglich ohne viele helfende Hände, ohne alle die Menschen die oftmals im Verborgenen und hinter den Kulissen arbeiten. Die Menschen die aufbauen, die nähen, die basteln und vorbereiten, die sauber machen, die bis spät in die Nacht bei allen möglichen Veranstaltungen anpacken. Ihnen und ihrem Engagement gebührt ein Dank, der in Worte nicht zu fassen ist.

66 Jahre sind für einen Verein eine lange Zeit.
66 Jahre, in den es großartige Höhen und traurige Tiefen gab.
66 Jahre Vereinsgeschichte ist eine Geschichte behaftet mit allem menschlichen Fehlern und Makeln, aber sie strotzt auch vor Teamgeist, Freude und Liebe an der Sache.
66 Jahre der zweitälteste Karnevalsverein Neunkirchens zu sein bedeutet, den gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Wandel der Zeit mit zu erleben und auch mit zu prägen.
66 Jahre erfolgreich zu feiern bedeutet, dass man allen Widrigkeiten getrotzt und es immer wieder geschafft hat, den Funkenstern am Himmel heller denn je strahlen zu lassen.
66 Jahre erscheinen wie ein endloses Spiel, gefüllt mit Tränen und Frohsinn, mit Weinen und Lachen, mit Trauer und purer Freude, mit närrischer Glückseligkeit.
Aber: 66 Jahre sind uns noch lange nicht genug….